KI-Schock aus China: Chance für Deutschland?
Vielleicht stimmt die Prämisse nicht mehr: Ohne die Hochleistungschips des amerikanischen Chipherstellers Nvidia und Chip-Produktionsmaschinen von ASML, so denkt man, aus Europa geht in der Welt der Künstlichen Intelligenz (KI) nichts. Folglich wollte die amerikanische Regierung mit Exportkontrollen für solche Produkte Peking vom Fortschritt in dieser Technologie abhängen. Doch die Sanktionen haben die chinesischen Entwickler nicht gestoppt. Nach dem Prinzip Wüstenblume (wenig Wasser, grandiose Blüte) wurde stattdessen die Kreativität angeregt.
Die Chinesen haben jedes Quäntchen aus einer älteren, noch verfügbaren Chip-Produktionstechnologie herausgequetscht. Staatliche Subventionen tun ihr Übriges. Das Ergebnis ist ein überraschender Effizienzsprung, sowohl bei den Chips aus China, als auch bei den KI-Sprachmodellen, die grundsätzlich auf der Open-Source-Idee basieren, auch wenn die Dinge in Wahrheit komplexer sind. Aber wenn das Training von Spitzen-KI plötzlich derart ressourcenschonend funktioniert, was bedeutet das für die Bewertungen der etablierten Hardware- und KI-Giganten aus Amerika an der Börse? Die Gewissheiten der Tech-Investoren sind ins Wanken geraten.
Für Deutschland ist das zusätzliche Angebot eine Chance. Oder es könnte eine solche sein. Wir prüfen zwei Thesen. Erstens: Deutsche Unternehmen könnten hochleistungsfähige Modelle wie Qwen oder Deep Seek lokal auf eigenen Servern hosten. Das senkt die Kosten und löst gleichzeitig Datenschutzprobleme, da „on-premise“, wie das lokale Hosting genannt wird, keine sensiblen Daten abfließen. Zweitens: Der Beweis, dass man auch mit weniger Rechenleistung und älteren Chips Weltklasse-KI bauen kann, ist eine Chance für europäische KI-Start-ups. Aber stimmt das? Man könnte auch behaupten: Wer jetzt einfach blind auf die hocheffizienten, chinesischen Open-Source-Modelle umschwenkt, ersetzt nur eine Abhängigkeit durch die nächste.
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